Mein Weg zur Heilkunde

Profilbild-Eva Ottmer
„Die wich­tigs­te Stun­de ist immer die Gegen­wart;
der wich­tigs­te Mensch ist immer der,
der dir gera­de gegen­über­steht;
die wich­tigs­te Tat ist immer die Lie­be.“
(Meis­ter Eck­hart)

Mein Inter­es­se an der Heil­kun­de erwach­te, als ich als Jugend­li­che mehr­fach an den Hüft­ge­len­ken ope­riert wur­de. Die­se Ein­grif­fe hat­ten mei­nen Kör­per völ­lig aus dem Gleich­ge­wicht gebracht, und weder Chiru­gie noch Phy­sio­the­ra­pie konn­ten mir hel­fen. Mein ers­ter Kon­takt zu alter­na­ti­ven Ansät­zen war die Fel­den­krais­the­ra­pie, mit deren Hil­fe ich halb­wegs auf die Bei­ne kam. Aber ich such­te wei­ter. Ich ent­deck­te den Bud­dhis­mus als sinn­vol­len und prak­ti­ka­blen Lebens­weg und nahm ein Stu­di­um an einem tibe­tisch-bud­dhis­ti­schen Insti­tut in Neu Delhi auf.

Hier fand ich das The­ma mei­ner Dok­tor­ar­beit: Sprach- und Erkennt­nis­theo­rie in Ost und West. Dahin­ter stand eine ande­re Fra­ge:

Wie ent­steht Leid, und wie kann ich die­ses been­den?

Ich war also wie­der beim The­ma und such­te Hei­lung auf einer tie­fe­ren Ebe­ne. Auch auf der kör­per­li­chen Ebe­ne fand ich end­lich einen Weg. Ich prak­ti­zier­te drei Jah­re lang inten­siv Qigong und Tai­ji und beschäf­tig­te mich erst­mals mit der tao­is­ti­schen Leh­re. Anschlie­ßend ging ich nach Japan und lern­te Iai­do, eine medi­ta­ti­ve Schwert­kunst der Samu­rai. Ich erfuhr, dass ich mit der Kraft mei­nes Wil­lens und mit viel Übung mei­ne phy­si­sche Schwä­che über­win­den konn­te: trotz mei­ner Behin­de­rung wur­de ich 2009 in Osa­ka japa­ni­sche Meis­te­rin.


Nach sechs Jah­ren kam ich zurück nach Deutsch­land und mach­te die Aus­bil­dung zur Heil­prak­ti­ke­rin. Ich stu­dier­te inten­siv Aku­punk­tur, Psy­cho­lo­gie und Homöo­pa­thie, und nach mei­ner Heil­prak­ti­ker­prü­fung 2012 begann ich gleich zu prak­ti­zie­ren. Die Arbeit mit mei­nen Pati­en­ten führ­te mich bald zu einer wei­te­ren Heil­me­tho­de. Wie von selbst zog es mei­ne Hän­de zu bestimm­ten Punk­ten des Kör­pers, und ich erfuhr, dass die sanf­te Berüh­rung mei­ner Hän­de eine wei­te­re, tie­fe­re Dimen­si­on ansprach. Ich such­te und forsch­te, bis ich die Cra­nio­sa­cra­le The­ra­pie fand, durch die ich mei­ne Erfah­run­gen bes­ser ver­ste­hen und sys­te­ma­ti­sie­ren konn­te .


Weil jeder Pati­ent, jede Pati­en­tin ein­zig­ar­tig ist und neue Her­aus­for­de­run­gen mit sich bringt, hört der Lern­pro­zess nie­mals auf. Und dar­über bin ich sehr froh! Es hilft mir, wach und auf­merk­sam zu blei­ben und bereit, immer neue Erkennt­nis­se in mein the­ra­peu­ti­sches Ange­bot auf­zu­neh­men.